Der Mainzer „Politthriller“ Maria Stuart (Friedrich Schiller)

Mal wieder erkennt man, wie viel Engagement, auch persönliches, Arbeit, Geld, handwerkliches Geschick und künstlerische Fähigkeiten in der  Basis dieser „Bretter, die die Welt bedeuten“, steckt. Guido Paefgen bei der Maske zeigte uns in gewohnter Weise den Zauber, den allein diese Werkstatt ins Leben rufen kann, Bühnenbildmodelle wurden uns in der Schreinerei gezeigt und ebenso konnten wir geschickt arbeitenden Schneiderinnen bei ihrem Element zuschauen. Das i-Tüpfelchen war die Besichtigung des Bühnenbildes und der Bühne des Großen Hauses, wo abends die beiden Königinnen mittendrin agierten. Erklärt wurde uns an der Stelle, welch eine verantwortungsvolle Aufgabe ein Inspizient haben muss, der den Überblick über den Ablauf der kompletten Inszenierung haben muss.
 
Und die Aufführung selbst ?„ Am Ende stolpert eine Königin verlassen und verloren durch die Kulisse ihrer Macht, die für sie längst zum Gefängnis geworden ist. Die andere hat da bereits den Weg zum Schafott genommen – ist ungebrochen, aber viel zu früh, aus dem Leben geschieden. Daran, dass diese Staatsaffäre für keine der beiden Herrscherinnen gut ausgeht, lässt Friedrich Schillers „Maria Stuart“ von Anfang an keinen Zweifel. Es macht einen Großteil der Zugkraft des Trauerspiels aus, das Dariusch Yazdkhasti zum Spielzeitauftakt in Mainz in einer schnörkellosen Inszenierung auf die Bühne des Großen Hauses gebracht hat“, schreibt Johanna Dupré von Kultur Mainz
 
Ungewohnt bezüglich theatraler Umsetzung war der sehr beeindruckende Einsatz von Livevideos: Die Schwarz-Weiß-Großaufnahmen der Gesichter der Darsteller setzte ein Höchstmaß an mimischer Kontrolle voraus ebenso wie exzellente Kameraführung. Die Videoeinsätze in vielen aktuellen Inszenierungen motivieren nicht selten heiße Diskussionen, warum überhaupt Theater und nicht Kino … .
 
Na ja, wir saßen ganz vorne dabei, konnten die Schauspieler in besonderer Weise beim Atmen, Schwitzen, Sprechen und überhaupt Agieren wahrnehmen – und irgendwie weiß man dann einfach, dass Kino und Film wirklich unterschiedliche Welten sind, die beide jeweils ihren ganz besonderen Reiz haben.
 
Ursula Hartmüller
 
(Foto S. 1, Staatstheater Mainz)

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