DS-Kurs 12- Produktionsklasse am Theater Koblenz

In unserem Fall leitete Frau Junglas, Theaterpädagogin des Theater Koblenz, die Produktionsklasse zur Inszenierung von Friedrich Hebbels bürgerlichem Trauerspiel von 1846 „Maria Magdalena“. Anders als  im Original begeht Klara, die geschwängerte Protagonistin des Stückes, keinen Selbstmord, um die Ehre ihrer Familie und ihres Vaters zu retten, sondern befreit sich durch ihre Flucht in eine andere Welt von dem strengen väterlichen und gesellschaftlichen Moralkodex  ihrer Zeit.

Nachdem wir auf die Inszenierung im Vorfeld bestens inhaltlich vorbereitet wurden, eine Endprobe miterleben durften und die Inszenierung mit entsprechenden Beobachtungsaufgaben gesehen hatten, kam Frau Junglas noch einmal in unseren  Unterricht. Mit z.B. Standbildern zur Familienstruktur Klaras, Spiegelübungen, Übungen zum Führen und Folgen erlebten die Schüler*innen am eigenen Leib die Konflikte der Protagonisten des Stückes.  Wie fühlt es sich an , in patriarchalischen Strukturen zu leben? Wie ergeht es mir in der Rolle des Patriarchen? Wie in der Rolle des Rebellen, der Rebellin? Welche befreienden Sätze könnte man Klara mit auf den Weg geben? Wie könnten ihre Gefühle und Gedanken gegenüber  ihrem Vater zum Ausdruck gebracht werden? Wie geht es mit den Protagonisten Karl und Klara weiter?

Was sagt mir das Stück auf einer ganz persönlichen Ebene? Welche Umstände würden mich ganz zum Äußersten bringen? Welche Erwartungen erfülle ich meinem Leben, obwohl ich lieber nein sagen würde? Wem will ich oder muss ich es recht machen? Wie geht man heutzutage mit einer ungewollten Schwangerschaft um? Wo fällt mir gesellschaftlicher Wandel schwer? War Hebbel eigentlich ein Feminist? Wie feministisch ist Hebebls „Maria Magdalena“? Ein lebhafter Gedankenaustausch folgte dazu. Fragen zum Probenprozess an sich , zur Entstehung des  Bühnenbildes, zur Gestaltung der Kostüme, zur Rolle der Musik, zur Arbeit der Schauspieler und vieles mehr,  konnten ebenso ausführlich diskutiert und geklärt werden. Frau Junglas führte uns souverän, freundlich, kompetent und offen für jedwede Frage durch alle Phasen dieses Projektes.

Produktionsklasse zu sein , lohnt sich in jeder Hinsicht.

M.Kurz

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